Dienstag, 13. April 2010
Ein Meilenstein der Medizin
Jüngst gelang es Greifswalder Wissenschaftlern Genvarianten identifiziert, die die Nierenfunktion beeinflussen. Untersucht wurden über 67.000 Menschen. Weltweit leiden mehr als 500 Millionen Menschen an einer chronischen Nierenkrankheit, die zu einer Schwächung der Nierenfunktion bis hin zum Nierenversagen führen kann. In Deutschland ist jeder zehnte Erwachsene betroffen. Allein bundesweit sind mehr als 90.000 Menschen von einer Nierensatztherapie wie regelmäßiger Dialyse oder einer Transplantation abhängig. So wurden 2009 allein in Deutschland 2772 Nieren nach einer Organspende transplantiert. Zu den häufigsten Ursachen der Erkrankung gehörten Diabetes und Bluthochdruck. Aber auch erbliche Veranlagung spielt eine wichtige Rolle. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler in Greifswald im Rahmen einer Gesundheitsstudie. Gemeinsam mit internationalen Kollegen durchforschten die Greifswalder das menschliche Genom auf der Suche nach Genvarianten, die zur chronischen Nierenkrankheit beitragen. Den Wissenschaftlern kam zugute, dass die Ergebnisse der seit über zehn Jahren laufenden Greifswalder Gesundheitsstudie SHIP (Study of Healthin Pomerania) zurückgreifen. Zum erneuten Male wurden die Daten von über 3000 Vorpommern als Basis für die entscheidende Genidentifizierung genutzt. Obwohl jede einzelne dieser Varianten nur einen geringen Einfluss ausübt, könnte die Kombination „schlechter“ Gene die erbliche Veranlagung zum chronischen Nierenversagen erheblich verstärken. Die Dialysebehandlung zähle neben der starken persönlichen Belastung für die Patienten und ihre Familien zu den aufwändigsten Therapien in der Inneren Medizin. Die jährlichen Ausgaben in Deutschland liegen Schätzungen zufolge bei über 2 Milliarden Euro. Das Hauptanliegen der Wissenschaftler liegt darin Blutwäsche und Transplantationen künftig weitgehend überflüssig zu machen, auch wenn es noch ein weiter Weg sein wird. Innerhalb des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 15,4 Mio. Euro geförderten Projektes soll jetzt in einer neuen Studie an die Ergebnisse der internationalen Untersuchung angeknüpft und vertiefend an den Genvarianten geforscht werden.
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